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DESIGN THINKING: Komplexe Probleme schneller lösen

Artikel im Dt. Handwerksblatt von Melanie Dora nach einem Interview mit Kerstin Seidel

Mit Design Thinking lassen sich auch anspruchsvolle Aufgaben durchdenken und lösen, versprechen Experten wie Kerstin Seidel. Die Beraterin erklärt, wie das geht.

Gute Auszubildende finden, Geschäftsprozesse digitalisieren, neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln – solche Aufgaben treiben viele Betriebsinhaber um. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie anzugehen, einige Unternehmensberater schwören auf die Methode des Design Thinking. Sie schwärmen davon, wie dynamisch der Ansatz ist, wie schnell er zu Ergebnissen führt.

Konsequent aus der Sicht des Kunden denken

Das Charakteristische daran: Es wird konsequent aus Sicht des Kunden oder Nutzers gedacht. Was sind seine Wünsche oder Bedürfnisse? Von Anfang an fließen sie in den Entwicklungsprozess mit ein. Immer wieder werden das Produkt oder die Lösung auf Grundlage von Kundenrückmeldungen verfeinert und verbessert. Da dabei einzelne Schritte des gesamten Lösungsfindungsprozesses immer wieder durchlaufen werden können, nennt man die Methode auch „iterativ“.

Kunden und Nutzer einbeziehen

Die Trainerin und Unternehmensberaterin Kerstin Seidel hat sich auf Design Thinking spezialisiert. Seit sie die Methode in den USA kennengelernt und erfahren hat, wie wirksam sie ist, zeigt sie deutschen Unternehmen in Workshops und Beratungen, wie diese Design Thinking für sich nutzen können. Unter ihrer Anleitung haben Betriebe bereits per Design Thinking ausgeklügelt, wie sich ihre Mitarbeiter auf den Baustellen gesünder ernähren können oder welches Softwaresystem für die Planung von Geschäftsprozessen das passende ist. Ende November bietet sie einen Tagesworkshop in der Handwerkskammer Trier an, um interessierte Betriebsinhaber an das Thema heranzuführen. 

Eine pragmatische Methode

„Design Thinking ist eine sehr lösungsorientierte, pragmatische Methode“, erklärt Kerstin Seidel. „Visuelles Denken ist die beste Umschreibung dafür“, so die Expertin. Komplexe Prozesse würden visuell dargestellt, dann würde mit Hilfe eines Methodenkoffers die Lösung denkerisch entwickelt. Das passiert in verschiedenen Schritten. Zunächst geht es für die gebildeten Teams darum, das Problem oder die Fragestellung genau zu durchdenken, sozusagen zum Experten dafür zu werden. Dazu werden möglichst viele Informationen eingeholt und alle Beteiligten befragt, beispielsweise Kunden, für die ein Produkt entwickelt werden soll, oder Mitarbeiter, die mit einer anzuschaffenden Software arbeiten sollen. 

Die Bedürfnisse und Vorlieben des Nutzers verstehen

Die Teammitglieder versuchen, sich in die Rolle dieser Zielpersonen hineinzuversetzen: Was wünschen sie sich? Wie arbeiten sie? Sind alle Informationen eingeholt, geht es an die Phase der Ideenfindung. „Hier können Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder Brainwriting eingesetzt werden“, sagt Seidel. Im nächsten Schritt werden die Ideen bewertet: Welche passt am besten zu den Bedürfnissen des Nutzers oder Kunden? Welche lässt sich leicht und wirtschaftlich umsetzen? Mit einfachen Mitteln baut das Team einen Prototyp der Idee. Das können mit Legosteinen versinnbildlichte Datenströme oder Kommunikationswege sein oder der Entwurf einer Stellenausschreibung. Bei dieser Bearbeitung mit den Händen, fällt den Beteiligten meist schon auf, ob eine Idee etwas taugt. Sie erarbeiten sich buchstäblich noch einmal ein tieferes Verständnis des Problems. Zudem wird die Idee auf diese Weise schnell erlebbar gemacht und dem Kunden oder Nutzer zum Testen zur Verfügung gestellt. Anhand seiner Rückmeldung wird der Prototyp weiter verfeinert. Kann er gar nichts damit anfangen, kehrt das Design Thinking-Team zum Schritt der Ideenfindung zurück und durchläuft von dort aus wieder alle Phasen.

Fehler gehören zum Prozess

Die Vorteile: Lösungen werden nicht langwierig und teuer im stillen Kämmerlein entwickelt, sondern immer wieder dem Praxistest unterzogen und so Schritt für Schritt verbessert. Das spart Zeit, Geld und Ressourcen. Auch fällt ein mögliches Scheitern nicht so sehr ins Gewicht, vielmehr gehört es bei dieser spielerischen Herangehensweise dazu, nicht sofort ein fertiges und perfektes Produkt oder Ergebnis zu liefern, sondern erst im Laufe des Verfahrens zu entwickeln. In ihren Kursen arbeiten die Teilnehmer im Stehen, agil und dynamisch, erklärt Seidel. Geht sie als Beraterin in die Unternehmen, begleitet sie die Prozesse oft bis zur Umsetzung der Lösung. Viele, gerade kleine und mittlere Betriebe können für eine solche Beratung, je nach Thema, eine Förderung in Anspruch nehmen (siehe Kasten), auf die Kerstin Seidel ihre Kunden hinweist. „Es ist wichtig, sich bei einem komplexen Problem, früh genug Gedanken zu machen und nicht sofort die schnelle Lösung zu wählen“, rät die Expertin. Design Thinking sei dafür eine gute Methode.

Text: / handwerksblatt.de

Link zum Online-Artikel 

 

Buchtipp: Falk Uebernickel et al.: Design Thinking: Das Handbuch; 240 Seiten, Frankfurter Allgemeine Buch, ISBN: 3956010655, 29,90 Euro.

 

Förderprogramm: Das Programm "Unternehmenswert: Mensch plus" richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Unternehmensabläufe digitalisieren wollen. Um die dazugehörigen Strategien und Konzepte zu entwickeln, fördert das Programm eine Prozessberatung. Gefördert werden zwölf Beratungstage, wobei 80 Prozent der Kosten übernommen werden. Der Beratungsprozess dauert etwa fünf bis sechs Monate. Um die passenden Lösungen für die Digitalisierung im Betrieb zu finden, kann die Design Thinking-Methode angewendet werden. Weitere Informationen zur Förderung gibt es auf www.unternehmenswert.Mensch.de.